Was ist nephrotisches Syndrom? Symptome und Ursachen
Was ist nephrotisches Syndrom? Symptome und Ursachen Das nephrotische Syndrom beschreibt eine komplexe Nierenfunktionsstörung. Typisch sind vier Hauptmerkmale: Eiweiß im Urin, niedrige Bluteiweißwerte, Wassereinlagerungen und erhöhte Blutfette. Diese Kombination entsteht durch geschädigte Nierenfilter.
Besonders Kinder sind betroffen – etwa 2 bis 7 von 100.000. Bei Erwachsenen tritt die Erkrankung seltener auf. Nierenversagen kann eine mögliche Folge sein, doch viele junge Patienten erholen sich mit der richtigen Therapie.
Ursächlich ist eine gestörte Filterfunktion der Nierenkörperchen. Dadurch gelangt zu viel Eiweiß in den Urin. Der Verlust führt zu weiteren Beschwerden wie Ödemen oder Infektanfälligkeit. Eine Heilung gibt es nicht, aber die Symptome lassen sich oft gut kontrollieren.
Früherkennung ist wichtig. Schwellungen, besonders an Augenlidern und Beinen, oder schaumiger Urin können Warnzeichen sein. Je früher die Diagnose erfolgt, desto besser die Prognose.
Was ist nephrotisches Syndrom?
Ein komplexer Mechanismus in den Nierenkörperchen steuert die Filtration. Jede Niere enthält etwa eine Million Nephronen, deren Glomeruli wie Siebe arbeiten. Gesunde Filter halten Proteine wie Albumin zurück, während Abfallstoffe ausgeschieden werden.
Bei Schäden der Glomeruli gelangt zu viel Albumin in den Urin. Dies führt zu Proteinurie, einem Schlüsselmerkmal der Erkrankung. Der Verlust wichtiger Eiweiße stört den Flüssigkeitshaushalt. Was ist nephrotisches Syndrom? Symptome und Ursachen
| Gesunde Glomeruli | Geschädigte Glomeruli |
|---|---|
| Halten Proteine (z.B. Albumin) zurück | Lassen Proteine durch (Proteinurie) |
| Stabiler onkotischer Druck | Ödeme durch Flüssigkeitsaustritt |
| Normaler Lipidstoffwechsel | Erhöhte Blutfette (Hyperlipidämie) |
Der Albuminmangel im Blut (Hypoproteinämie) verringert den onkotischen Druck. Wasser sammelt sich im Gewebe – typisch sind Schwellungen an Beinen oder Lidern. Gleichzeitig steigt der Cholesterinspiegel als Kompensation.
Folgende Prozesse kennzeichnen den Verlauf:
- Gestörte Filtration → Proteinverlust
- Hypoproteinämie → Ödeme
- Hyperlipidämie als Reaktion
Symptome des nephrotischen Syndroms
Schwellungen und Urinveränderungen sind typische Hinweise auf diese Nierenstörung. Die Beschwerden entstehen durch Flüssigkeitseinlagerungen und Proteinverlust. Betroffene bemerken oft zuerst geschwollene Augenlider oder schwere Beine.
Häufige Anzeichen
Ödeme entwickeln sich meist an:
- Augenlidern (Lidödeme)
- Unterschenkeln und Füßen
- Bauchregion (Aszites)
Schaumiger Urin deutet auf Proteinausscheidung hin. Unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Appetitlosigkeit können folgen.
| Symptom | Ursache |
|---|---|
| Schwellungen (Ödeme) | Flüssigkeitsretention durch Albuminmangel |
| Schaumiger Urin | Hoher Proteingehalt (Proteinurie) |
| Gewichtszunahme | Wassereinlagerungen |
Unterschiede bei Kindern und Erwachsenen
Kinder zeigen oft spontane Besserungen. Häufig leiden sie unter:
- Wachstumsverzögerungen
- Infektanfälligkeit
Bei Erwachsenen treten eher Komplikationen auf:
- Bluthochdruck
- Erhöhtes Thromboserisiko
Frühzeitige Diagnose verbessert die Prognose für beide Gruppen.
Ursachen des nephrotischen Syndroms
Unterschiedliche Auslöser können zu dieser Nierenfunktionsstörung führen. Man unterscheidet primäre und sekundäre Formen, die jeweils spezifische Behandlungen erfordern. Was ist nephrotisches Syndrom? Symptome und Ursachen
Primäre Ursachen
Bei Erwachsenen ist die fokale segmentale Glomerulosklerose (FSGS) häufigster Grund. Sie zerstört die Nierenfilter schrittweise. Mikroskopisch zeigen sich Narben in den Glomeruli.
Kinder entwickeln oft eine Minimal-Change-Nephropathie. Hier fehlen sichtbare Schäden, doch die Filterfunktion ist gestört. Die genaue Ursache bleibt oft unklar.
Sekundäre Ursachen
Diabetes mellitus schädigt langfristig die Nierenkörperchen. Eine diabetische Nephropathie ist eine häufige Ursache sekundärer Formen.
Systemerkrankungen wie Lupus oder Infektionen (z.B. Hepatitis) lösen Entzündungen aus. Auch Medikamente (NSAR, bestimmte Antibiotika) können verantwortlich sein.
| Primäre Formen | Sekundäre Formen |
|---|---|
| FSGS (Erwachsene) | Diabetes |
| Minimal-Change (Kinder) | Autoimmunerkrankungen |
Genetische Faktoren spielen bei familiärer Häufung eine Rolle. Die fokale segmentale Glomerulosklerose hat dabei andere Gewebeveränderungen als die membranöse Glomerulonephritis.
Wie wird nephrotisches Syndrom diagnostiziert?
Ärzte nutzen Urin- und Bluttests, um die Erkrankung zu bestätigen. Die Diagnostik zielt darauf ab, Proteinverluste und deren Ursachen zu identifizieren. Zusätzlich helfen bildgebende Verfahren, andere Nierenerkrankungen auszuschließen.
Urintests
Ein Urinstreifentest zeigt erste Hinweise auf Protein im Urin. Bei Auffälligkeiten folgt ein 24h-Sammelurin, um die Menge genau zu messen. Der Albumin-Kreatinin-Quotient gibt Aufschluss über die Nierenfunktion.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:
- Transitorischer Proteinurie (vorübergehend)
- Persistierender Proteinurie (dauerhaft)
Bluttests und Biopsie
Im Blut weist ein Serumalbumin-Wert unter 2,5 g/dl auf die Erkrankung hin. Gleichzeitig steigen oft Cholesterin- und Triglyceridwerte (Hyperlipidämie).
Bei unklarer Ursache ist eine Nierenbiopsie nötig. Sie zeigt Gewebeveränderungen wie bei der fokalen segmentalen Glomerulosklerose.
| Diagnosemethode | Was wird gemessen? | Wann eingesetzt? |
|---|---|---|
| Urinstreifentest | Protein im Urin | Erstuntersuchung |
| 24h-Sammelurin | Genauer Proteinverlust | Bei Verdacht |
| Nierenbiopsie | Gewebeschäden | Unklare Fälle |
Behandlungsmöglichkeiten des nephrotischen Syndroms
Moderne Therapien zielen darauf ab, Proteinverluste zu reduzieren und Komplikationen vorzubeugen. Die Behandlung basiert auf zwei Säulen: Medikamenten und angepassten Lebensgewohnheiten. Individuelle Faktoren wie Alter oder Ursache der Erkrankung beeinflussen den Therapieplan.
Medikamentöse Therapie
ACE-Hemmer oder AT1-Blocker sind Standard bei Proteinurie. Sie senken den Druck in den Nierenkörperchen und verringern so den Eiweißverlust. Bei Ödemen kommen Diuretika zum Einsatz.
Weitere Optionen umfassen:
- Immunsuppressiva (z. B. Kortison) bei primären Formen
- Statine zur Kontrolle des Cholesterinspiegels
- Impfungen gegen Infektionen (Pneumokokken, Influenza)
Lebensstilanpassungen
Nicht-medikamentöse Maßnahmen unterstützen die Therapie. Eine salzarme Ernährung (
| Maßnahme | Ziel | Empfehlung |
|---|---|---|
| Natriumarme Diät | Ödem-Prophylaxe | Fertigprodukte meiden |
| Regelmäßige Bewegung | Durchblutung fördern | 30 min/Tag spazieren |
| Cholesterinbewusste Ernährung | Blutfette senken | Pflanzliche Fette bevorzugen |
Patientenschulungen helfen, Rezidive zu erkennen. Ein strukturierter Plan vereinfacht das langfristige Management der Erkrankung.
Komplikationen des nephrotischen Syndroms
Die Erkrankung kann schwerwiegende Folgeerscheinungen mit sich bringen. Der Verlust von Proteinen wie Antithrombin-III erhöht das Risiko für Blutgerinnsel. Besonders bei Albuminwerten unter 2 g/dl ist eine Thromboseprophylaxe ratsam.
Durch den Mangel an Immunglobulinen wird das Immunsystem geschwächt. Häufige Infektionen der Atemwege oder Haut sind typisch. Impfungen und Hygiene reduzieren das Risiko.
| Komplikation | Ursache | Präventionsmaßnahme |
|---|---|---|
| Thromboembolien | Antithrombin-III-Verlust | Blutverdünner (z. B. Heparin) |
| Bakterielle Infektionen | Immundefizienz | Pneumokokken-Impfung |
| Akutes Nierenversagen | Hypovolämie | Flüssigkeitsmanagement |
Langfristig kann sich eine chronische Niereninsuffizienz entwickeln. Bluthochdruck beschleunigt diesen Prozess. Regelmäßige Kontrollen sind essenziell. Was ist nephrotisches Syndrom? Symptome und Ursachen
Weitere Folgen umfassen:
- Anämie durch Eisenverlust
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch hohe Blutfette
- Wachstumsstörungen bei Kindern
Ernährung bei nephrotischem Syndrom
Die richtige Ernährung spielt eine Schlüsselrolle bei der Behandlung. Sie hilft, Proteinverluste auszugleichen und Komplikationen wie Ödeme oder hohe Blutfette zu minimieren. Individuelle Anpassungen sind entscheidend.
Salzreduktion bei Ödemen
Was ist nephrotisches Syndrom? Symptome und Ursachen Maximal 2–3 g Salz täglich beugen Wassereinlagerungen vor. Vorsicht bei versteckten Quellen wie Brot, Wurst oder Fertiggerichten. Frische Kräuter ersetzen Salz ideal.
Praktische Tipps:
- Selbst kochen mit frischen Zutaten
- Etiketten auf Natrium-Angaben prüfen
- Salzlose Snacks wie Nüsse oder Gemüsesticks wählen
Fett- und Cholesterinkontrolle
Pflanzliche Fette (Olivenöl, Avocado) senken das Cholesterin. Tierische Fette (Butter, Fleisch) sollten reduziert werden. Omega-3-Fettsäuren aus Fisch wirken entzündungshemmend.
| Empfohlenswert | Zu meiden |
|---|---|
| Lachs, Leinsamen | Pommes, Sahnesoßen |
| Haferflocken | Frittierte Speisen |
Die Proteinzufuhr (0,8–1 g/kg Körpergewicht) sollte angepasst sein. Ein Ernährungstagebuch hilft, Fortschritte zu tracken und die Compliance zu steigern.
Nephrotisches Syndrom bei Kindern
Bei jungen Patienten sprechen 90% gut auf Steroide an. Die häufigste Form ist die minimal change disease, die bei Kindern unter 10 Jahren auftritt. Diese Variante zeigt unter dem Mikroskop kaum Gewebeschäden.
Was ist nephrotisches Syndrom? Symptome und Ursachen Langzeitremissionen sind möglich – bis zu 80% der children erreichen bis zum Jugendalter stabile Werte. Rezidive treten oft nach Infekten auf. Eltern lernen in Schulungen, Proteinurie mit Teststreifen zu Hause zu kontrollieren.
| Therapieoption | Wirksamkeit | Nebenwirkungen |
|---|---|---|
| Prednisolon (8 Wochen) | 90% Ansprechrate | Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen |
| Alternativ: Cyclophosphamid | Bei Steroid-Resistenz | Leukopenie, Fertilitätsrisiko |
Chronische Verläufe können Wachstumsstörungen verursachen. Langzeit-Immunsuppressiva wie Ciclosporin erfordern regelmäßige Kontrollen. Die Transition ins Erwachsenenalter sollte früh geplant werden.
Psychosoziale Aspekte sind entscheidend. Kliniken bieten spezielle Programme für children an, um Ängste zu reduzieren. Geschwisterkinder sollten in die Aufklärung einbezogen werden.
Die minimal change disease hat insgesamt eine gute Prognose. Bei rezidivierenden Verläufen sind individuelle Therapieanpassungen nötig. Frühzeitige Intervention verbessert die Lebensqualität.
Langfristige Perspektiven und Management
Langfristige Betreuung verbessert die Prognose bei Nierenerkrankungen. Bei Nierenversagen (ESRD) benötigen 50% der FSGS-Patienten innerhalb von 10 Jahren eine Nierenersatztherapie. Moderne Behandlungen wie Dialyse oder Transplantation verlängern die Lebenserwartung.
Nach einer Transplantation besteht ein 30%iges Rezidivrisiko. Regelmäßige Kontrollen und Medikamente wie Komplement-Inhibitoren senken diese Gefahr. Eine salzarme Ernährung und Bewegung stabilisieren die Nierenfunktion.
Psychologische Begleitung fördert die Lebensqualität. Schulungen helfen Patienten, Symptome früh zu erkennen. Selbstmanagement-Apps tracken Werte wie Proteinurie oder Blutdruck.
Aktuelle Forschung untersucht gezielte Therapien gegen Filterstörungen. Früh intervenieren lohnt sich – für mehr Lebensjahre ohne Dialyse.







