Neutropenia ICD10: Diagnose, Kodierung und Infos
Neutropenia ICD10: Diagnose, Kodierung und Infos Ein Mangel an neutrophilen Granulozyten im Blut kann das Immunsystem schwächen. Fachleute bezeichnen diesen Zustand als Neutropenie. Betroffene haben ein höheres Infektionsrisiko, da diese weißen Blutkörperchen für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind.
In der medizinischen Dokumentation spielt der richtige Code eine wichtige Rolle. Der Standard für nicht näher bezeichnete Fälle lautet D70.9. Zusatzkennzeichen wie G (gesichert) oder V (Verdacht) helfen, die Diagnosesicherheit zu kennzeichnen.
Die korrekte Kodierung ist entscheidend für Therapie und Forschung. Unterschiedliche Formen erfordern individuelle Behandlungsansätze. Seit 2025 gelten in Deutschland aktualisierte Richtlinien für die Klassifikation.
Ärzte und medizinisches Personal müssen die aktuellen Vorgaben kennen. Nur so lassen sich Diagnosen präzise erfassen und behandeln.
Was ist Neutropenie?
Weiße Blutkörperchen sind entscheidend für die Abwehr von Infektionen. Besonders die neutrophilen Granulozyten bekämpfen Bakterien und Pilze. Fehlen diese Zellen, wird das Immunsystem geschwächt.
Definition und medizinische Bedeutung
Fachleute sprechen von Neutropenie, wenn weniger als 1.500 Neutrophile pro Mikroliter Blut vorhanden sind. Der Schweregrad hängt vom genauen Wert ab:
| Schweregrad | Neutrophilenwert (pro µl) | Risiko |
|---|---|---|
| Leicht | 1.000–1.500 | Geringfügig erhöht |
| Mittel | 500–1.000 | Deutlich erhöht |
| Schwer | <500 | Akute Gefahr (Agranulozytose) |
Ursachen und Formen
Die Störung kann angeboren oder erworben sein. Häufige Auslöser sind:
- Medikamente wie Chemotherapie oder Antibiotika
- Genetische Veranlagung (z.B. zyklische Form)
- Knochenmarkschäden durch Strahlen oder Tumore
Ein Sonderfall ist die febrile Neutropenie. Sie tritt oft bei Krebspatienten auf und erfordert sofortige Behandlung.
ICD-10-Codes für Neutropenie
Medizinische Dokumentation setzt auf spezifische Schlüsselnummern für Diagnosen. Das ICD-System hilft, Störungen der blutbildenden Organe einheitlich zu erfassen. Präzise Codes sind essenziell für Therapie und Abrechnung.
Hauptcode D70.9: Nicht näher bezeichnete Form
D70.9 gilt als Standardcode für unklare Fälle. Er umfasst auch Agranulozytose. Wichtig: Fehlt die Ursachenangabe, kann dies zu Regressen führen.
Spezifische Untercodes
Arzneimittelinduzierte Störungen (D70.2) benötigen zusätzlich einen T36-T50-Code. Beispiel: Chemotherapie-bedingt (D70.1 + T45.1×5). Bei febriler Variante ist R50.81 für Fieber verpflichtend.
Abgrenzung zu ähnlichen Diagnosen
Generelle Leukopenie (D72.819) oder Milzbeteiligung (D73.81) sind separat zu kodieren. Neonatale Formen (P61.5) fallen nicht unter D70.
Neutropenia ICD10: Diagnose Kodierung und Infos: Diagnose der Neutropenie
Laborwerte spielen eine zentrale Rolle bei der Erkennung von Störungen des Immunsystems. Bei Verdacht folgt eine schrittweise Abklärung – von der Anamnese bis zur Spezialdiagnostik. Ziel ist es, die Ursache zu identifizieren und das Risiko für Infektionen einzuschätzen.
Klinische Untersuchung und Anamnese
Der Arzt erfragt Symptome wie häufige Infekte oder Fieber. Wichtig sind auch Medikamente, Vorerkrankungen oder familiäre Vorbelastungen. Eine körperliche Untersuchung zeigt oft unspezifische Hinweise.
Laborparameter: Neutrophilenzahl und Differenzialblutbild
Der ANC-Wert (Absolute Neutrophil Count) ist entscheidend. Liegt er unter 1.500 Zellen/µl, bestätigt dies die Diagnose. Ethnische Hintergründe können die Werte beeinflussen – etwa bei afrikanischer Abstammung.
Ein Differenzialblutbild gibt Aufschluss über andere Zelltypen. Wiederholte Kontrollen sichern die Ergebnisse.
Zusatzdiagnostik bei unklarer Ursache
Bei persistierenden Fällen folgt eine Knochenmarkspunktion. Sie klärt, ob die Störung im blutbildenden System liegt. Genetische Tests helfen bei Verdacht auf angeborene Formen.
Autoimmunerkrankungen oder Tumore müssen ausgeschlossen werden. Leitlinien der AWMF geben hier klare Handlungsempfehlungen.
Symptome und Risiken bei Neutropenie
Eine geschwächte Immunabwehr zeigt sich oft durch bestimmte Warnsignale. Betroffene leiden häufiger unter Infektionen, da ihr Körper Krankheitserreger schlechter abwehren kann. Die Schwere der Symptome hängt vom Ausmaß des Zellmangels ab.
Häufige Infektionen und Komplikationen
Typisch sind Entzündungen im Mundraum, der Lunge oder im Analbereich. Bakterien und Pilze nutzen die Schwäche des Immunsystems aus. Ohne Behandlung kann es zu schweren Verläufen kommen.
| Infektionsherd | Häufige Erreger | Risikostufe |
|---|---|---|
| Oropharynx | Streptokokken, Candida | Mittel |
| Lunge | Pneumokokken, Pseudomonas | Hoch |
| Perianalbereich | E. coli, Anaerobier | Kritisch |
Febrile Neutropenie als Notfall
Fieber über 38,3°C mit gleichzeitigem Zellmangel ist ein Alarmsignal. Die Mortalität liegt zwischen 2% und 21%. Innerhalb von zwei Stunden muss eine Antibiotikatherapie beginnen.
Wichtige Maßnahmen:
- Schnelle Blutkultur und CRP-Test
- Breitbandantibiotika wie Piperacillin/Tazobactam
- Isolation zur Infektionsprophylaxe
Langzeitfolgen bei chronischen Verläufen
Wiederkehrende Infektionen können Knochen (Osteomyelitis) oder Gelenke schädigen. Patienten benötigen regelmäßige Kontrollen und Hygieneschulungen. Der MASCC-Score hilft Ärzten, das Risiko einzuschätzen.Neutropenia ICD10: Diagnose Kodierung und Infos
Vorbeugung ist entscheidend:
- Händedesinfektion und Mundhygiene
- Vermeidung von rohen Lebensmitteln
- Impfungen nach individuellem Plan
Praktische Kodierung nach ICD-10
Für eine präzise Abrechnung sind exakte Codes unverzichtbar. Die ICD-10-GM gibt klare Regeln vor, um Diagnosen einheitlich zu erfassen. Besonders bei Blutbildstörungen ist die richtige Verschlüsselung entscheidend für Therapie und Forschung.
Zusatzkennzeichen für Diagnosesicherheit (G, V, Z)
Die Buchstaben G, V oder Z ergänzen den Hauptcode. Sie zeigen an, ob die Diagnose gesichert (G), vermutet (V) oder ein Risikofaktor (Z) ist. Beispiel: D70.9G für eine bestätigte, nicht näher bezeichnete Form.
Fehlt dieses Kennzeichen, kann es zu Problemen bei der Kostenübernahme kommen. Die aktuellen Richtlinien des DIMDI listen alle gültigen Zusätze.
Kombination mit Begleiterkrankungen
Treten Fieber (R50.81) oder Infektionen auf, sind zusätzliche Codes nötig. Ein häufiger Fall: D70.2 (arzneimittelinduziert) plus R50.81 für febrile Verläufe.
Wichtig: Das Grundleiden steht immer an erster Stelle. Nur so ist die DRG-Zuordnung korrekt.
Besonderheiten bei arzneimittelinduzierten Fällen
Medikamente wie Chemotherapeutika benötigen T36-T50-Codes. Beispiel: D70.1 + T45.1×5 für eine Chemotherapie-bedingte Störung.
Bei unklarer Ursache kommt Y57.9 zum Einsatz. Dokumentationsfehler können hier zu Regressen führen.
Neutropenia ICD10: Diagnose Kodierung und Infos: Wichtige Hinweise für Ärzte und Patienten
Bei Verdacht auf Störungen des Blutbildes gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen. Ärzte sollten regelmäßige Laborkontrollen durchführen, besonders bei medikamentöser Therapie. Patienten erhalten spezielle Pässe zur Dokumentation ihres Gesundheitszustands.
Die Selbstkontrolle spielt eine große Rolle. Betroffene lernen in Schulungen, Frühzeichen von Infektionen zu erkennen. Fieber oder Entzündungen müssen sofort gemeldet werden.
Sozialmedizinische Beratung hilft bei Fragen zur Berufsfähigkeit. Reha-Maßnahmen können die Lebensqualität verbessern. Vollständige Dokumentation sichert die rechtliche Absicherung aller Beteiligten.
Aktuelle Leitlinien der Fachgesellschaften bieten wertvolle Unterstützung. Das Bundesgesundheitsministerium stellt verständliche Patienteninformationen bereit. Diese helfen, das Immunsystem bestmöglich zu schützen.







