Nekrotisierende Fasziitis: Symptome, Ursachen und Therapieoptionen
Nekrotisierende Fasziitis: Symptome, Ursachen und Therapieoptionen Die nekrotisierende Fasziitis ist eine lebensbedrohliche Infektion, die das Weichteilgewebe zerstört. Umgangssprachlich wird sie auch als „fleischfressende Krankheit“ bezeichnet. Ausgelöst wird sie durch bestimmte Bakterien, die Toxine produzieren und so das Gewebe angreifen.
Betroffen sind meist Arme, Beine oder der Genitalbereich. Ohne rechtzeitige Behandlung verläuft die Erkrankung oft tödlich. Mit Therapie liegt die Sterblichkeit bei etwa 30%, ohne Behandlung endet sie fast immer tödlich.
In Westeuropa tritt die Krankheit selten auf – etwa 0,7 Fälle pro 100.000 Einwohner jährlich. Entscheidend für den Behandlungserfolg ist ein schneller Therapiebeginn. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Die Erkrankung wird in vier Typen eingeteilt, abhängig von den auslösenden Bakterien. Typische Symptome sind starke Schmerzen, Rötungen und Fieber. Risikofaktoren sind unter anderem Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem.
Was ist nekrotisierende Fasziitis?
Bakterien greifen das Unterhautgewebe an und lösen eine lebensbedrohliche Infektion aus. Diese zerstört Muskelfaszien – dünne Bindegewebsschichten – innerhalb weniger Stunden. Anders als bei oberflächlichen Hautinfektionen wie Cellulitis breitet sie sich rasch in die Tiefe aus.
Hauptauslöser sind Bakterientoxine, die Gefäße verschließen und Gewebe absterben lassen. Typische Erreger sind:
| Typ | Bakterien | Häufigkeit |
|---|---|---|
| I | Gemisch (Aerobier + Anaerobier) | 70-80% |
| II | Streptokokken / Staphylokokken | 20-30% |
| III | Vibrio vulnificus (Salzwasser) | Selten |
| IV | Pilze (z. B. Candida) | Ausnahmefälle |
Die Infektion entsteht oft nach Verletzungen oder Operationen. Selten gelangen Bakterien über die Blutbahn ins Gewebe. Risikopatienten haben Diabetes oder Immunschwächen.
Histologisch zeigen sich Gewebe-Nekrosen und Thrombosen. Eine frühzeitige Diagnose ist überlebenswichtig, da die Sterblichkeit ohne Therapie bei über 90% liegt.
Symptome der nekrotisierenden Fasziitis
Patienten berichten zunächst von starken Schmerzen ohne sichtbare Ursache. Die Symptome verschlimmern sich innerhalb weniger Stunden. Typisch ist, dass der Schmerz stärker ist, als die äußerlichen Anzeichen vermuten lassen.
Frühe Anzeichen
Im Anfangsstadium ähnelt die Infektion einer harmlosen Hautreizung. Die betroffene Stelle ist gerötet, überwärmt und geschwollen. Auffällig ist eine holzartige Verhärtung des Gewebes.
Hinzu kommen grippeähnliche Symptome wie Fieber über 39°C und Schüttelfrost. Viele Patienten beschreiben ein plötzliches, extremes Krankheitsgefühl.
Fortgeschrittene Symptome
Innerhalb von 24 Stunden verfärbt sich die Haut bläulich oder schwarz. Dies zeigt absterbendes Gewebe an. Bei Gasbildung durch Bakterien kann ein knisterndes Geräusch unter der Haut auftreten.
Im Blut finden sich erhöhte Leukozyten und niedrige Natriumwerte. Ohne Behandlung kommt es zu Kreislaufversagen und Organversagen.
Besondere Hinweise für immungeschwächte Personen
Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem fehlen oft typische Entzündungszeichen. Die Haut kann trotz schwerer Infektion unauffällig aussehen. Dies verzögert die Diagnose.
Besondere Vorsicht ist bei Diabetes oder Chemotherapie-Patienten geboten. Sie entwickeln häufiger schwere Verläufe.
Ursachen und Auslöser
Bestimmte Bakterien und Risikofaktoren begünstigen die Entwicklung der Infektion. Die Erkrankung entsteht meist durch eine Mischinfektion, seltener durch einzelne Erreger. Entscheidend ist, wie schnell die Ursachen erkannt und behandelt werden.
Bakterielle Infektionen als Hauptursache
Über 70% der Fälle werden durch Bakterien wie Streptokokken oder Staphylococcus aureus ausgelöst. Diese produzieren Toxine, die Gewebe zerstören. Besonders gefährlich sind gemischte Infektionen (Typ I), bei denen Aerobier und Anaerobier zusammenwirken.
Risikofaktoren für eine Infektion
Menschen mit Diabetes oder Immunschwäche haben ein hohes Risiko. Auch Verletzungen oder chronische Wunden sind häufige Eintrittspforten. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Risikofaktoren:
| Risikofaktor | Betroffene Gruppe | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Diabetes mellitus | 50% der Patienten | Hoch |
| Immunsuppression | Chemotherapie-Patienten | Mittel |
| Verletzungen | Postoperative Wunden | Variabel |
| NSAID-Einnahme | Langzeitanwender | Gering |
Seltene Ursachen: Pilze und andere Erreger
In Ausnahmefällen können Pilze wie Candida die Infektion verursachen. Auch Clostridium perfringens (Gasbrand) ist ein seltener, aber gefährlicher Auslöser. Idiopathische Fälle (5–10%) haben keine erkennbare Ursache.
Wichtig: Bei unklaren Verletzungen mit schneller Verschlechterung immer ärztliche Hilfe suchen.
Diagnose der nekrotisierenden Fasziitis
Eine schnelle Diagnose entscheidet über Leben und Tod bei dieser schweren Infektion. Ärzte kombinieren klinische Beobachtungen, Bildgebung und Laborwerte, um die Erkrankung sicher zu erkennen. Jede Verzögerung verschlechtert die Prognose.Nekrotisierende Fasziitis: Symptome Ursachen
Klinische Untersuchung und Anamnese
Typisch sind starke Schmerzen, die nicht zum sichtbaren Befund passen. Der Finger-Test zeigt oft leicht lösbares Gewebe – ein Alarmzeichen. Die Rapid-Worsening-Checkliste hilft, den Stunden-Verlauf zu bewerten.
Wichtige klinische Hinweise:
- Plötzliches hohes Fieber (>39°C)
- Bläuliche oder schwarze Hautverfärbungen
- Grieselndes Geräusch bei Gasbildung
Bildgebende Verfahren: CT, MRT und Ultraschall
Die CT erkennt Gasansammlungen im Weichteilgewebe mit 80% Sensitivität. Die MRT ist genauer (93%) und zeigt Flüssigkeit in der Tiefenfaszie. Ultraschall (POCUS) nutzt die STAFF-Kriterien für eine schnelle Erstbeurteilung.
Vorteile im Vergleich:
| Verfahren | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| CT | Schnell verfügbar | Strahlenbelastung |
| MRT | Hohe Genauigkeit | Lange Dauer |
| Ultraschall | Keine Strahlung | Erfahrung nötig |
Laboruntersuchungen und Scoring-Systeme
Blutwerte wie CRP >150 mg/l oder Thrombozytopenie unterstützen die Diagnose. Der LRINEC-Score (≥6 Punkte) zeigt eine 50-75%ige Wahrscheinlichkeit an. Differentialdiagnosen wie Gasbrand müssen ausgeschlossen werden.
Wichtige Laborparameter:
- Leukozyten stark erhöht
- Natrium erniedrigt
- Metabolische Azidose
Nekrotisierende Fasziitis: Symptome Ursachen :Behandlungsmöglichkeiten
Moderne Therapieansätze kombinieren Chirurgie und Medikamente. Bei dieser schweren Infektion entscheiden Stunden über den Erfolg. Je früher die Behandlung beginnt, desto höher sind die Überlebenschancen.
Chirurgische Eingriffe: Debridement und Amputation
Notfalloperationen sind oft lebensrettend. Innerhalb von 6 Stunden sinkt die Sterblichkeit um 40%. Ärzte entfernen abgestorbenes Gewebe radikal (Debridement).
In schweren Fällen ist eine Amputation nötig. Rekonstruktionen mit Vakuumversiegelung oder Hauttransplantationen folgen später. Wichtig ist, bis zu gesunden Geweberändern zu operieren.
Antibiotikatherapie und unterstützende Maßnahmen
Breitband-Antibiotika wie Piperacillin/Tazobactam decken viele Erreger ab. Kombiniert wird oft mit Clindamycin gegen Toxine. Vancomycin wirkt bei resistenten Keimen.
Unterstützend helfen:
- Volumentherapie für den Kreislauf
- Vasopressoren bei Blutdruckabfall
- Nierenersatzverfahren bei Organversagen
Neue Therapieansätze und Studien
Forscher testen hyperbare Sauerstofftherapie für bessere Wundheilung. Der Wirkstoff AB103 blockiert Entzündungsreaktionen. Immunglobuline (IVIG) zeigen jedoch keinen klaren Nutzen.
Studien fokussieren auf schnellere Diagnosen und gezieltere Behandlungen. Ziel ist, Amputationen zu vermeiden und Folgeschäden zu reduzieren.Nekrotisierende Fasziitis: Symptome Ursachen
Prävention und Risikominimierung
Vorbeugende Maßnahmen können das Risiko einer schweren Infektion deutlich senken. Besonders wichtig sind richtige Wundversorgung und Hygiene. Menschen mit Vorerkrankungen benötigen spezielle Schutzstrategien.
Wundversorgung und Hygiene
Kleine Verletzungen richtig behandeln:
- ASIPS-Methode anwenden: Antiseptikum, sterile Abdeckung, Irrigation
- WHO-Hygienestandards (“5 Momente”) einhalten
- Bei tiefen Schnitten immer ärztliche Kontrolle
Nach Operationen sind Temperaturkontrollen entscheidend. Verdächtige Rötungen sofort melden. Brackwasser meiden – es kann gefährliche Bakterien enthalten.
Maßnahmen für Personen mit Vorerkrankungen
Diabetiker sollten täglich ihre Füße kontrollieren. Spezielle Schulungen vermitteln richtige Fußpflege. Bei Immunschwäche gilt:
- Bagatellverletzungen nie ignorieren
- Frühzeitig Antibiotika einnehmen
- Regelmäßige Laborkontrollen
Hochrisikopatienten erhalten manchmal Penicillin zur Prävention. Wichtig ist, Warnzeichen wie unerklärliche Schmerzen ernst zu nehmen.
Nekrotisierende Fasziitis: Symptome Ursachen :Wichtige Erkenntnisse und Ausblick
Langzeitfolgen wie Amputationen bleiben eine Herausforderung. Rund 30% der Betroffenen verlieren Gliedmaßen. Das Rezidivrisiko liegt bei 15%.
Forschung konzentriert sich auf molekulares Erreger-Screening. Studien testen Toxininhibitoren, um Gewebeschäden zu reduzieren. KI-Systeme analysieren Wunden automatisch.
Der LRINEC-Score hilft, die Prognose einzuschätzen. Werte ≥8 oder OP-Verzögerungen über 12 Stunden verschlechtern den Verlauf. Rehabilitation umfasst Physiotherapie und psychosoziale Betreuung.
Antibiotikaresistenzen erschweren die Therapie weltweit. Risikogruppen erhalten Aufklärungsmaterial zu Warnzeichen. Frühzeitige Behandlung rettet Leben.







